Sennereigenossenschaft Gunzesried –Biogas aus Molke – auch für kleine Käsereien sinnvoll

Wenn aus Milch leckerer Käse und Quark werden, entsteht als Nebenprodukt Molke. Früher wurde diese an Tiere verfüttert. Heute verwerten Großbetriebe die wässrige Restflüssigkeit für die Eiweiß- und Milchzuckergewinnung, oder sie dampfen sie zu Molkepulver ein. 
Bei kleineren Käsereien hingegen reichen die Molkemengen dafür häufig nicht aus. So auch bei der Sennereigenossenschaft Gunzesried. Dort fallen pro Tag rund 3000 Liter Molke an. „Wir haben dafür keine Verwertung, dürfen sie aber nicht einfach in die Kanalisation leiten – und wollen das auch gar nicht, da es sich dabei ja um ein Lebensmittel handelt, das man noch weiter nutzen kann“, sagt Peter Haslach, Geschäftsführer der Sennereigenossenschaft.

Molke behandeln und Biogas gewinnen
Eine Alternative, für die Verwertung von Molke ist die Umwandlung in Biogas. Die Technik wird von EnviroChemie schon erfolgreich in Großmolkereien eingesetzt. „Die Abwässer von Großmolkereien haben eine ganz andere Zusammensetzung, etwa weil sie aus der Molke zunächst noch Proteine gewinnen und erst aus dem übrig bleibenden Molkepermeat Biogas gewinnen – und nicht aus der reinen Molke“, erklärt Thomas Weißer, Experte bei EnviroChemie für die biologische Behandlung von Abwässern. Dieses aufwendige und teure Verfahren lohne sich für kleine Mengen der Sennereigenossenschaft aber nicht. Gemeinsam mit den Allgäuer Milchbauern entwickelte EnviroChemie daher eine Anlage, die sich sowohl für kleine Mengen als auch für reine Molke eignet. „Unser Ziel war, die Molke so aufzubereiten, dass die Reststoffe am Ende in die örtliche Kanalisation eingeleitet werden dürfen“, sagt Weißer. EnviroChemie stellte zunächst den gesamten Prozess im unternehmenseigenen Labor nach und überzeugte so auch den Abwasserverband im Gunzesrieder Tal. „Wir konnten nachweisen, dass das behandelte Abwasser ohne Probleme in die Kläranlage eingeleitet werden kann“, sagt Weißer. Die eigens entwickelte Anlage geht aber noch einen entscheidenden Schritt weiter, indem sie gleichzeitig zur Energiegewinnung beiträgt: „Viele Unternehmen sehen in industriellem Abwasser nur etwas, das behandelt werden muss“, sagt Dominik Hoffmann, der bei EnviroChemie das Anlagenkonzept für die Genossenschaft mit entwickelt hat. „Wir sehen Abwasser immer als wertvolle Ressource, aus der, wie in diesem Fall, Energie zurückgewonnen und dann wieder im Produktionsprozess verwendet werden kann.“

Angepasste Technik 
2015 ging die Molkevergärungsanlage, ein Biomar® Reaktor von EnviroChemie, in Gunzesried in Betrieb. Die Molke wird nach der Käseherstellung zunächst in einen Misch- und Ausgleichsbehälter geleitet, um die unterschiedlichen Mengen und Zusammensetzungen auszugleichen, die bei der Produktion von verschiedenen Käsearten anfallen. So kann die eigentliche Behandlungsstufe gleichmäßig belastet werden. Alle acht Stunden wird die Molke dann in den Biomar® Reaktor geleitet, wo Bakterien die Eiweiße, Fette und den Milchzucker verstoffwechseln. Es entsteht unter anderem Methangas, das in einem Biogastank gesammelt und zur Dampfherstellung verbrannt wird. 

Energie aus Abwasser
Pro Tag entsteht bei diesem Behandlungsprozess so viel Methangas, dass die Sennerei damit 80 Prozent ihres Energiebedarfs für 
die Käseherstellung und Heizung abdeckt. „Wir haben unseren Heizölbedarf durch die neue Anlage von 30.000 auf rund 5000 bis 6000 Liter gesenkt“, sagt Haslach. „Rechnet man unsere bisherigen Kosten für Energie und für die Entsorgung der Molke dagegen, hat sich die Investition in absehbarer Zeit amortisiert.“ Außerdem macht sich die Genossenschaft unabhängig von schwankenden Preisen für Energie und Entsorgung. „Das verschafft uns Planungssicherheit“, so Haslach.

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